Gedankenkontrolle

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Gedankenkontrolle

Beitrag#1 » 8. Mär 2013, 17:12

Die Geschichte habe ich teils aus einem Buch - umgeschrieben für WoW ;) Ich hoffe, die beteiligten sind damit einverstanden, dass ich sie für das hier hergenommen habe (oder zum. die Namen) :fastnod:

Mowri reckte den Hals vor, um den Blick, vorsichtig über den Rand der nahen Klippe hinwegspähend, über die weiten des Tals ihres geliebten Arathihochlands tief unten schweifen zu lassen. Es war ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass das Sägewerk auf dem Berg, auf dem sie sich befand, vor der Allianz gesichert war. Aber wann immer sie die steile Klippe hinaufstieg, gönnte sie sich diesen Blick aus der Ferne, nur um das hübsche Hochland unter ihr in Augenschein nehmen zu können. Nach diesem kurzen Ausblick richtete sie den Blick stets auf die zwei Aufgänge zum Sägewerk links und rechts neben ihr, jederzeit bereit sich herannahenden Feinden zu stellen.
Sie verschob den über die Schulter geworfenen Schwertgurt und setzte ihre Patrouille rund um das Sägewerk fort. Geschickt manövrierte sie über getrocknete Äste, um ja kein unnötiges Geräusch zu verursachen und sah sich auf der Suche – stets auf der Suche – nach allen Seiten um, während sie unablässig weiter ging.
Mowri bog gerade um die Ecke des Sägewerks und erblickte die alte Eiche, die sie stets mit einem rascheln ihrer Blätter willkommen zu heißen schien. Einer der ausladenden Äste hing tief genug, um einen Sitz zu bilden. Er war so breit wie ihre üppige Hüfte und so bequem und trocken, dass man sich gut darauf niederlassen konnte.
Nach kurzem Zögern ließ sie ihre Schwerter zu Boden gleiten. Mit einem Seufzer der Erleichterung lehnte sie ihre müden Knochen an einen anderen Ast, der gerade im richtigen Winkel nach oben gebogen war, um Schulter und Kopf abzustützen. Der Baum schien sie wie eine schützende Hand zu umschließen. Der Tag war lange gewesen und es würde sicher nicht schaden, sich wenige Minuten auszuruhen…

Versunken in einem Tagtraum hielt sie es für einen Teil des Traumes, als sie ein Flüstern hörte, das wie ihr Name klang. Es war ein angenehmes, leises Geräusch, mehr eine Ahnung schöner Dinge und angenehmer Gedanke denn ein Wort.
Beim zweiten Mal wusste sie, es gehörte nicht zu ihren Tagtraum, zudem war sie jetzt sicher, dass es ihr Name war, der dort gesprochen wurde, wenn auch auf eine Weise die sehr viel intimer war als ein gesprochenes Wort.
Entscheiden war, dass die Art, wie es gesprochen wurde, eine Saite ihres Herzens zum Klingen brachte. Es klang wie die Musik der Seele selbst: voller Freundlichkeit, Mitgefühl und Wärme. Sie seufzte leise, es machte sie glücklich, legte sich über sie wie der wärmende Schein der Sonne an einem kühlen Tag.
Beim dritten Mal setzte sie sich auf, um nachzusehen. Sie sehnte sich danach, den Ursprung einer so bezaubernden Stimme zu ergründen. Noch in der Bewegung hatte sie das Gefühl, Teil eines ihrer Tagträume zu sein, friedvoll und zufrieden. Die Landschaft ringsum schien in der Abendsonne zu funkeln, zu erglühen.
Mowri entfuhr ein leises Stöhnen, als sie ihn nicht weit entfernt erblickte.
Sie hatte ihn noch nie zuvor gesehen, und doch kam es ihr so vor, als hätte sie ihn immer schon gekannt. Sie begriff, dass er ein altvertrauter Freund war, ein Verbündeter im Geiste seit der Jugendzeit, obwohl sie zuvor nie viel darüber nachgedacht hatte. Er war es, der ihr auf Schritt und Tritt gefolgt war, wie es schien. Der, an den sie immer dachte, wenn sie sich ihren Tagträumen hingab. Das wage und dennoch so bekannte Gesicht.
Jetzt wurde ihr bewusst, er war ebenso wirklich, wie sie ihn sich vorgestellt hatte, wenn sie ihn in ihren Phantasien küsste, was sie getan hatte, seit sie alt genug war, um zu wissen, dass ein Kuss mehr war als das, was die Mutter einem vor dem Zubettgehen gab. Seine Küsse gab es im Bett, voller Wärme und Innigkeit.
Sie hatte nie geglaubt, er könnte wirklich sein, doch jetzt war sie sicher, es immer schon gewusst zu haben. So wie er dort stand und ihr in die Augen sah, wie konnte er da nicht wirklich sein? Sein wirres Haar ließ sein strahlendes Gesicht frei, und man sah sein freundliches Lächeln, wenn es sie auch verwirrte, dass sie nicht hätte sagen können, wie er nun tatsächlich aussah. Gleichzeitig jedoch war ihr sein Gesicht ebenso vertraut wie das eigene.
Außerdem kannte sie alle seine Gedanken, genau wie er alle ihre Gedanken und Sehnsüchte kannte. Er war ich wahrer Seelenverwandter.
Er reichte ihr seine perfekt geformte Hand. Sein Lächeln war wissend, liebevoll und freundlich. Er verstand sie, verstand Dinge bei ihr, die nie ein anderer würde verstehen können. Sie weinte vor Freude über dieses Verständnis, das Verständnis für ihre Seele.
Mowri griff nach seiner Hand und spürte tief in ihrem Herzen, wie sehr es sie nach ihm verlangte.
Fast glaube sie zu schweben. Ihre Füße streiften den Erdboden so leicht wie ein Atemhauch. Ihr Körper trieb wie Pflanzen im Wasser, als sie sich nach ihm reckte, nach seiner Umarmung. Je näher sie kam, desto wärmer wurde ihr.
Ihr gesamtes Leben lief auf diesen einen Punkt hinaus, auf das Verlangen, in seine Arme zu sinken und seine zärtliche Umarmung zu spüren, auf das Verlangen, ihm ihre Sehnsucht zuzuflüstern, weil sie wusste, er würde es verstehen, auf das Verlangen nach dem zarten Hauch von seinen Lippen an ihrem Ohr, wenn er ihr sagte, er verstehe sie.
Sie brannte darauf, ihm flüsternd ihre Liebe zu gestehen, zu hören, wie er das Flüstern erwiderte.
Ganz ruhig streckte er ihr die Arme entgegen, sein Verlangen nach ihr war ebenso groß wie ihres nach ihm. Sie streckte sich nach seiner Hand, doch sie schien weiter weg, sie streckte sich noch mehr, und wieder war sie weiter fort.
Ein jähes Gefühl der Panik überkam sie, als sie Angst bekam, er könnte verschwunden sein, bevor sie ihn endlich berühren konnte. Ihr war, als schwimme sie in Honig und käme nicht voran. Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich nach seiner Berührung gesehnt. Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich danach gesehnt, sich ihm anzuvertrauen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich danach gesehnt, ihre Seele mit der seinen zu vereinen.
Und jetzt entglitt er ihr.
Mowri, die Beine bleischwer, sprang auf und lief ihrem Geliebten in die Arme.
Und wieder war er weiter fort.
Er öffnete die Arme, um sie zu empfangen. Sie spürte sein Verlangen. Sie sehnte sich danach, ihn zu trösten, ihn vor Leid zu bewahren, sein Streben zu erleichtern.
Er rief laut ihren Namen, um sie in ihrem Bemühen zu bestärken, zu ihm zu kommen. Als sie den Namen von seinen Lippen hörte, ging ihr das Herz vor Freude auf. Es ging ihr auf, während sie das quälende Verlangen spürte, die Leidenschaft zu erwidern, die er in ihren Namen legte.
Weinend flehte sie, seinen Namen zu erfahren, jetzt, da sie ihrer unsterblichen Liebe einen zu geben vermochte.
Sie reckte sich ihm mit aller Kraft entgegen. Sie legte ihr ganzes Sein in diesen verwegenen Sprung, ihn zu erreichen, und gab bis auf das heftige Verlangen, ihn zu erreichen, alles Streben auf.
Mowri schrie ihre namenlose Liebe heraus, schrie ihr Verlangen heraus, während sie nach seinen Fingern langte. Als er ihren Namen so voller Schönheit rief, dass sie zu vergehen drohte, breitete sie die Arme aus, um ihn endlich zu umschlingen. Es war, als schwebe sie ihm endlich durch die Luft entgegen, die Sonne im Gesicht, den Wind im Haar, doch es war gut so, denn jetzt war sie dort, wo sie sein wollte – bei ihm.
Einen vollkommeneren Augenblick hatte es in ihrem ganzen bisherigen Leben nicht gegeben, ein vollkommeneres Gefühl in ihrem ganzen Sein.
Sie vernahm die absolute Melodie dieser Gefühle, die zum Ruhm all dessen erklang.
Fast ging ihr das Herz über, als sie sich mit einem letzten verzweifelten Bemühen in seine Arme stürzte, ihr Verlangen herausschreiend, ihre Liebe, ihre Erfüllung, und nur noch einen Wunsch hatte, seinen Namen zu kennen, damit sie ihm alles von sich geben konnte.
Sein strahlendes Lächeln galt ihr und ihr allein. Seine Lippen waren für sie bestimmt und nur für sie. Sie schloss das letzte kleine Stück Distanz zu ihm, verging danach, endlich die Liebe ihres Lebens zu liebkosen, ihren Seelenverwandten, die einzig wahre Leidenschaft in ihrem Leben.
Endlich waren seine Lippen nah, sie sank in seine ausgestreckten Arme, in seine Umarmung, zu einem perfekten Kuss.
In diesem makellosen Augenblick, kurz bevor ihre Lippen sich berührten, als sie durch ihn hindurchblickte und unmittelbar hinter ihm den gnadenlosen Grund des Tales unerbittlich auf sich zurasen sah, wusste sie endlich seinen Namen.
Tod.

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Derweil gar nicht weit entfernt…

Syam und Redpunx gaben ihren Pferden die Sporen. Sie hatten gerade erfolgreich die Ställe erobert und sich so frische Reittiere besorgt. Ihr Ziel war klar: das Sägewerk.
Als sie über die Kuppel ritten, sah der Vorhof des Sägewerks verlassen aus. Sie stiegen von den schweißnassen Tieren und Redpunx machte sich sofort auf den Weg, die Hordenflagge aus dem Boden zu reißen und so ihren Anspruch auf das Gebäude geltend zu machen.
Im Augenwinkel machte er eine Bewegung aus, in selben Moment hatte er bereits einen Pfeil auf seinen Bogen aufgelegt und war bereit, das tödliche Geschoss auf jeden Feind abzufeuern. Mit einem Ruf hielt Syam ihn zurück. Er blickte sich fragend zu ihr um – und das alles geschah innerhalb eines Atemzugs. Mit einem unheimlichen Grinsen im Gesicht konzentrierte sich Syam auf die ahnungslose Frau, die da auf einem Ast saß – sie schien sie noch nicht bemerkt zu haben – und ihre Augen leuchteten in einem unheimlichen Purpur auf.
Gespannt betrachtete Redpunx die Frau, die sich langsam aufrichtete und auf ihn zukam. Sie schien keine Angst vor seiner massigen Gestalt zu haben, im Gegenteil, sie schien sich sehr zu freuen, ihn zu sehen! Fasziniert beobachtete er, dass sie ihm sogar die Hand entgegenstreckte und immer näher kam. Syam murmelte derweil leise vor sich hin, wobei die dunkle Aura um ihren Körper zu pulsieren begann.
Schritt für Schritt bewegte sich die Frau nun an ihm vorbei und an das Ende des Plateaus zu. Nur noch wenige Meter trennten sie vom Abgrund, doch sie schien davon nichts zu bemerken, denn ihre Bewegung führte sie unbeirrt immer weiter geradeaus. Redpunx‘ Fell sträubte sich, als die Frau einen Fuß über den Rand setzte und ins Leere trat, hinter sich hörte er die Schattenpriesterin leise lachen.
Ehre den Baum, der dir Schutz gewährt. DÄNISCHES SPRICHWORT

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Cull
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Re: Gedankenkontrolle

Beitrag#2 » 19. Jun 2013, 13:40

Derweil gar nicht weit entfernt…

faltet sich ein schatten durch das grün.

eine blume, im wechselspiel der sonne ... eine bornholm magarite und ... ein pergament:

"Kaum bin ich außer Gefecht gesetzt, werden alle größenwahnsinnig!"

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